Prothesen und kombinierter Zahnersatz

Es gibt verschiedene Modelle von herausnehmbarem Zahnersatz

Wenn ein Zahn oder mehrere Zähne fehlen, können Prothesen oder anders ausgedrückt herausnehmbarer Zahnersatz das Gebiss wiederherstellen. Fest zuzubeißen ist damit kein Problem mehr. Die Funktionalität wird hergestellt – und Patienten können wieder frei lächeln. Es gibt viele verschiedene Prothesen. Welche die beste für einen Patienten ist – darüber informiert der Zahnarzt gern.

Totalprothese: die „Dritten“

Wenn ein Patient keine eigenen Zähne mehr zur Verankerung hat, braucht er eine Totalprothese – auch dritte Zähne genannt. Damit kann die Kau- und Sprachfunktion wiederhergestellt werden und Lippen und Wangen, die durch Zahnverlust eingefallen sind, erhalten ihr ursprüngliches Aussehen zurück. Gehalten wird der Zahnersatz über eine Saugwirkung zwischen der Prothese und der Schleimhaut. Von der Herstellung bis zur Anpassung sind mehrere Termine notwendig. Auch nach der Anpassung muss weiter genau kontrolliert werden, ob die Prothese richtig sitzt. Denn die Mundschleimhaut und die Muskulatur müssen sich erst einmal an sie gewöhnen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind dafür wichtig. Da sich der Körper in der Regel verändert, muss auch die Prothese nach einer gewissen Zeit den natürlichen Umbauvorgängen des Kiefers angepasst werden. 

Teilprothese: hilfreicher Zahnersatz, wenn einige Zähne fehlen

Teilprothesen kommen dann zum Einsatz, wenn so viele Zähne ersetzt werden müssen, dass eine festsitzende Brücke nicht mehr ausreicht. Diese werden so angefertigt, dass die künstlichen und die eigenen Zähne optisch und funktionell optimal aufeinander abgestimmt sind. Dazu zählen die Kunststoff-Klammerprothese und die Modellgussprothese. 

Kunststoff-Klammerprothese: wertvolle Übergangslösung

Die Kunststoff-Klammerprothese dient meist als provisorische Übergangslösung,. Sie kommt zum Einsatz, nachdem ein Zahn gezogen werden musste und wird über handgebogene Klammern an den Zähnen gehalten. Sie wirkt wie ein Wundverband, der die Wunde in den ersten Stunden und Tagen schützt. Der Vorteil einer Kunststoff-Klammerprothese: Der Patient hat trotz eines gezogenen Zahns keine Lücken!

Modellgussprothese: robuster Zahnersatz für die Zukunft

Mit der Modellgussprothese werden mehrere fehlende Zähne langfristig ersetzt. An den Zähnen gehalten wird diese Prothese über gegossene Klammern, die den Haltezahn umfassen. Der Kaudruck, der auf die Ersatzzähne einwirkt, wird dadurch auf die restlichen natürlichen Zähne optimal verteilt. Modellgussprothesen sind robust, kostengünstig und können falls notwendig durch weitere künstliche Zähne ergänzt werden. Der ästhetische Nachteil: die Klammern an den Haltzähnen können je nach Position im Kiefer sichtbar sein. 

Kombinierter Zahnersatz: sicherer Halt durch Geschiebe

Wenn die Teilprothese an den restlichen Zähnen durch eine meist unsichtbare Verankerung befestigt wird, spricht man von einem kombinierten Zahnersatz. Das sind zwei exakt aufeinander abgestimmte Elemente, die man auch Geschiebe nennt. Ein Element ist dabei fest an einer Krone verankert, das andere an dem herausnehmbaren Teil der Prothese. Damit die Krone genügend Stabilität aufweist, wird sie oft mit überkronten Nachbarzähnen verbunden. Ein großer Vorteil dieser Versorgung im Vergleich zu Prothesenklammern: Die Verbindungselemente sind unsichtbar angebracht und halten die Teilprothese sicher. 

Teleskop: Zahnersatz mit Innen- und Außenkrone

Das Teleskop ist eine sehr komfortable Möglichkeit zur Verankerung einer herausnehmbaren Prothese. Dabei erhalten die tragenden Zähne eine auf den jeweiligen Zahn fest zementierte Innenkrone, das sogenannte Innenteleskop, die die Teilprothese sicher hält und zugleich den Zahn schützt. Diese Innenkronen sind nur sichtbar, wenn die Prothese herausgenommen wird. Eine Außenkrone ist mit der Prothese verbunden und sitzt passgenau darüber und verbindet sie so unsichtbar mit den überkronten Zähnen.

Zähneputzen: auch bei Prothesen unverzichtbar!

Um eine lange Lebensdauer der Prothese zu gewährleisten, ist es wichtig, die „Dritten“ gut zu reinigen und zu pflegen. Zahnärzte oder Prophylaxe-Assistenten geben gerne Pflegetipps. Grundsätzlich gilt:

  • Die Zahnprothese nach jeder Mahlzeit herausnehmen und reinigen. Bei einer Teilprothese auch die eigenen Zähne ganz normal putzen.
  • Für die Reinigung der Prothese eine weiche Zahnbürste oder eine spezielle Prothesenbürste verwenden.
  • Bei einer Teilprothese auch den Zahnfleischrand schonend, aber gut bürsten, denn an dieser Stelle endet meist die künstliche Krone, an der der Zahnersatz befestigt wird. Bakterien sammeln sich hier besonders gerne an.
  • Besonders sorgfältig die Zwischenräume und Winkel säubern.
  • Neben warmem Wasser ein spezielles mildes Reinigungsmittel für Prothesen verwenden.
  • Der Einsatz von Reinigungstabletten kann hilfreich sein – dazu sollte der Zahnarzt befragt werden.
  • Nach der Reinigung die Prothese gründlich mit Wasser abspülen.
  • Gaumen, Zunge und Kieferkämme sanft mit einer weichen Zahnbürste massieren.

Hilfreich sind zudem folgende Tipps und Tricks:

  • Am besten erfolgt die Reinigung im Waschbecken über einer weichen Unterlage, damit die Prothese nicht beschädigt wird, wenn sie aus Versehen herunterfällt. Alternativ kann das Waschbecken mit Wasser gefüllt werden.
  • Normale Zahnpasta eignet sich nicht für die Prothesenpflege, da sie auf Dauer die Oberfläche anrauen kann, was zu einer stärkeren Belagbildung beiträgt. Besser sind milde Reinigungsmittel für Prothesen.
  • Spezielle Prothesenbürsten und -reinigungsmittel sind in Drogerien oder Apotheken erhältlich.
  • Und für Brillenträger: Lesebrille zur Reinigung aufsetzen, damit wirklich alle Unreinheiten erkannt werden.

Viele Praxen bieten als Service eine intensive Prothesenreinigung an, die zwar kostenpflichtig, aber sehr wirksam ist. Mithilfe spezieller Reinigungsmittel und durch den Einsatz von Ultraschallreinigungsgeräten können die dritten Zähne so grundlegend gesäubert werden. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Verfärbungen noch nicht zu weit fortgeschritten sind. Genauere Hinweise gibt der Zahnarzt oder sein Prophylaxe-Team.

Kosten und Erstattung: Es gibt befundorientierte Festzuschüsse

Unabhängig von Art und Umfang der Brückenversorgung erhält der Patient von den gesetzlichen Krankenversicherungen einen dem jeweiligen Befund entsprechenden Festzuschuss. Dabei gilt die Bonusregelung. Über die Höhe der Kosten und des Zuschusses informiert der Zahnarzt. Die Patienten erhalten vor der Behandlung einen individuell ausgearbeiteten Heil- und Kostenplan sowie weitergehende Informationen von ihrem Zahnarzt. Für Privatpatienten gelten die jeweils mit der privaten Kasse getroffenen Vereinbarungen.

Funktionsanalytische Leistungen

Damit der Zahnersatz optimal sitzt und die ursprüngliche Kaufunktion vollständig wiederhergestellt wird, setzt der Zahnarzt bei Bedarf sogenannte funktionsanalytische Leistungen (FAL) ein. Vor allem bei umfangreichem Zahnersatz oder Vorerkrankungen der Kiefergelenke reicht es in der Regel nicht aus, dass im Zahnlabor nach standardisierten Verfahren gearbeitet wird. Vielmehr muss das individuelle Kausystem genau vermessen werden, um das ideale Zusammenspiel von Unter- und Oberkiefer zu ermitteln. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse gibt der Zahnarzt an den Zahntechniker weiter. So erhält der Patient „neue“ Zähne, mit denen er wieder mühelos und kräftig zubeißen kann.

Bei Fragen zum Thema Zahnersatz hilft die KZV Nordrhein

Bei allen Problemen rund um das Thema Zahnersatz helfen die Zahnersatz-Berater der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Nordrhein gerne weiter. Sie sind dienstags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 14 bis 16 Uhr unter 0211 17 17 91 45 sowie jederzeit über info(at)kzvnr.de oder patientenberatung(at)kzvnr.de zu erreichen.

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