Befürchtung, negativ aufzufallen
Vielleicht kommt Ihnen dieser Gedanke bekannt vor: „Ich war schon so lange nicht mehr beim Zahnarzt. Jetzt ist es bestimmt unangenehm.“ Das geht nicht wenigen Menschen so. Sie schieben Zahnarzttermine vor sich her – nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil sie unsicher oder innerlich gehemmt sind. Man möchte nicht negativ auffallen, nicht bewertet werden, nicht erklären müssen, warum es „so weit gekommen ist“. Statt von „Scham“ sprechen Fachleute inzwischen lieber von einer Behandlungshemmung durch Verlegenheit oder Selbstzweifel. Denn es geht weniger um Schuld – sondern um das Gefühl, sich mit dem eigenen Lächeln nicht zeigen zu wollen.
Was steckt hinter dieser inneren Hürde?
Unsere Zähne sind sichtbar. Sie gehören zu unserem Gesicht, zu unserem Lachen, zu unserem Auftreten. Wenn wir das Gefühl haben, sie entsprechen nicht unseren eigenen Erwartungen, kann das sehr persönlich werden. Manche Menschen vermeiden es dann, zu lächeln oder offen zu sprechen – und eben auch, einen Termin in der Zahnarztpraxis zu vereinbaren. Hinzu kommen typische Gedanken wie: „Bestimmt bekomme ich gleich eine Standpauke.“ „Die lachen mich bestimmt aus.“ „Da wird sofort gebohrt.“ Diese Sorgen sind verständlich – aber sie entsprechen nicht der Realität in den Praxen.
Was wirklich in der Zahnarztpraxis passiert
Das Credo vieler Zahnärztinnen und Zahnärzte lautet: Wir haben im Mund schon alles gesehen. Uns ist nichts fremd. Und wir lachen niemanden aus. Für Praxisteams ist Mundgesundheit Alltag – und jeder Befund ist zunächst einmal eine medizinische Situation, keine Bewertung einer Person. Patientinnen und Patienten werden ernst genommen, nicht beurteilt. Und ganz wichtig: Beim ersten Termin wird in der Regel nicht sofort „gebohrt“. Zunächst findet ein Gespräch statt. Es wird geklärt: Was führt Sie zu uns? Gibt es Schmerzen oder konkrete Wünsche? Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht? Erst danach wird gemeinsam besprochen, welche Schritte sinnvoll sind – und in welchem Tempo.
Offenheit hilft – auch schon vor dem Termin
Wenn Sie unsicher sind oder schlechte Erfahrungen gemacht haben, sagen Sie das gern schon bei der Terminvereinbarung. Praxen können sich darauf einstellen – zum Beispiel mehr Zeit einplanen oder besonders behutsam vorgehen. Viele Teams sind im Umgang mit Angst- oder besonders sensiblen Patientinnen und Patienten geschult. Niemand muss „tapfer“ sein oder etwas aushalten.
Auch an die kleinen Patientinnen und Patienten wird gedacht
Gerade Kinder brauchen manchmal einen anderen Zugang. Nicht jedes Kind möchte sich sofort in den Behandlungsstuhl setzen. Das muss es auch nicht. Man kann sich zunächst kennenlernen, gemeinsam die Instrumente anschauen – oder auch einfach im Stehen einen Blick in den Mund werfen. Schritt für Schritt entsteht Vertrauen.
Wie Angehörige unterstützen können
Wenn jemand in Ihrem Umfeld Termine meidet, helfen Verständnis und Geduld mehr als Druck. Zuhören statt drängen. Mut zusprechen: „Wir finden gemeinsam eine Lösung.“ Begleitung anbieten: Manchmal gibt es ein Gefühl der Sicherheit, wenn jemand mitkommt. Kleine Schritte anerkennen: Schon der Anruf in der Praxis ist ein Erfolg. Vermeiden Sie Vorwürfe – sie verstärken nur die innere Blockade. Wichtig ist das Gefühl: Ich werde ernst genommen.
Der erste Schritt zählt
Egal, wie lange der letzte Besuch her ist: Ein Neuanfang ist jederzeit möglich. Zahnärztinnen und Zahnärzte möchten helfen – nicht urteilen. Stellen Sie sich vor Ihrem nächsten Termin vor, dass Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt sagt: „Lange nicht gesehen … schön, dass Sie da sind.“ Denn genau so ist es gemeint.
Patientenmagazin „ZahnZeit“
Interessantes rund um die zahnärztliche Behandlung und Zahngesundheit
Wenn Sie bei Ihrem nächsten Zahnarzttermin im Wartezimmer sitzen, schauen Sie doch einfach mal in das Patientenmagazin „ZahnZeit“ der nordrheinischen Kassenzahnärztinnen und Kassenzahnärzte hinein. Sie können das Heft zum Weiterlesen auch gerne mit nach Hause nehmen.
Den Beitrag „Wenn Unsicherheit vom Zahnarztbesuch abhält“ finden Sie im neuesten Heft der „ZahnZeit“ auf den Seiten 12 bis 13. Sie können die Frühjahr/Sommer-Ausgabe 2026 auch online hier auf unseren Seiten einsehen und herunterladen. Werfen Sie dabei gerne auch einen Blick in weitere Ausgaben unseres Patientenmagazins.