Mythos Nr. 1
„Nur wer unter Stress leidet, knirscht mit den Zähnen.“
Das stimmt nur teilweise. Die Wahrheit ist ein wenig komplexer. Stress ist tatsächlich ein Hauptauslöser. Im Schlaf verarbeitet unser Körper Erlebtes – ein natürlicher und wichtiger Vorgang. Kommt aber Stress ins Spiel und müssen Kummer und Sorgen verarbeitet werden, können die Zähne zum Stressventil werden. Probleme werden „zermalmt“. Allerdings spielen auch andere Faktoren eine Rolle: Schlafstörungen wie Schlafapnoe (Atemaussetzer), genetische Veranlagung oder bestimmte Lebensgewohnheiten können Bruxismus begünstigen. Empfehlenswert ist daher, abends auf Nikotin, Alkohol und koffeinhaltige Getränke zu verzichten.
Mythos Nr. 2
„Das nächtliche Knirschen müsste ich doch selbst merken.“
Leider nicht. Bruxismus geschieht meist unbewusst. Viele Betroffene erfahren erst durch ihre Partnerin oder ihren Partner davon – oder durch Hinweise in der Zahnarztpraxis. Auf folgende Symptome sollte man achten:
- Kopf-, Kiefer- oder Nackenschmerzen am Morgen,
- ein steifer oder „müder“ Kiefer,
- empfindliche Zähne bei Kälte oder Druck,
- hörbare Knirsch- oder Pressgeräusche nachts,
- häufiges Zusammenpressen der Zähne am Tag,
- sichtbar abgenutzte Kauflächen,
- eingeschränkte Mundöffnung oder eine seitliche Abweichung des Unterkiefers.
Mythos Nr. 3
„Knirschen wirkt sich nur auf die Zähne aus.“
Leider nein. Abradierte Kauflächen sind zwar ein sichtbares Zeichen, doch die Auswirkungen gehen oft darüber hinaus. Eine dauerhaft verspannte Kaumuskulatur kann im Rahmen einer Craniomandibulären Dysfunktion (CMD) Beschwerden im Nacken- und Rückenbereich verursachen. Auch Kopfschmerzen oder Ohrgeräusche (Tinnitus) können damit zusammenhängen.
Mythos Nr. 4
„Kinder knirschen nicht.“
Doch, auch Kinder können mit den Zähnen knirschen. Besonders während des Zahnwechsels kommt das vor – meist vorübergehend. Dabei passen sich die bleibenden Zähne unbewusst aneinander an. Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie Ihre Zahnärztin oder Ihren Zahnarzt an. Bei der Kontrolluntersuchung lässt sich feststellen, ob es sich um einen natürlichen Vorgang handelt oder ob eine Behandlung sinnvoll ist.
Mythos Nr. 5
„Die Aufbissschiene löst das Problem.“
So einfach ist es leider nicht. Eine Aufbissschiene schützt die Zähne vor weiterer Abnutzung und kann die Muskulatur entlasten. Die Ursachen des Knirschens werden dadurch jedoch nicht automatisch beseitigt.
Was hilft denn dann?
Oft ist eine Zusammenarbeit von Patientinnen/Patienten, Zahnärztin/Zahnarzt und Physiotherapie nötig.
- Physiotherapie: Gezielte Lockerungen der Muskulatur und Entspannungstechniken bekämpfen die Grundsymptomatik. Ziel der Therapie ist eine langfristig entspannte Kieferhaltung.
- Zahnärztin/Zahnarzt: Eine Aufbissschiene kann den Schutz der Zähne gewährleisten.
- Patientin/Patient: Stressreduktion, gute Schlafgewohnheiten und bewusste Entspannungsphasen unterstützen die Therapie.
Was ist CMD?
Die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) bezeichnet schmerzhafte Funktionsstörungen der Kiefergelenke, Kaumuskulatur und Zahnkontakte. Typische Beschwerden sind Kieferknacken, eingeschränkte Mundöffnung sowie Kopf-, Nacken- oder Ohrenschmerzen.
FAQ Aufbissschiene
Was ist eine Aufbissschiene?
Eine individuell angepasste Kunststoffschiene, die nachts auf dem Ober- oder Unterkiefer getragen wird und dort als Puffer zwischen Kiefer und Zähnen dient.
Wozu dient sie?
Sie schützt die Zähne vor Folgen wie Abnutzung des Zahnschmelzes, Rissen oder Brüchen. Sie federt die enormen Kräfte ab, die beim Knirschen entstehen. Gleichzeitig entlastet sie Kiefergelenke und Muskulatur.
Was kann sie nicht?
Die Schiene beseitigt nicht die Ursache des Zähneknirschens, sondern schützt vor den Folgen wie etwa abradierte Zähne (Verlust von Fissuren, Höckern, Schneidekanten und Schliff-Facetten).
Wann wird sie getragen?
In der Regel nachts. Tagsüber ist sie meist nicht notwendig.
Hart oder weich?
Harte Schienen wirken stabiler und sind langlebiger, weiche fühlen sich angenehmer an – welche Variante geeignet ist, entscheidet Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt.
Kosten – gut zu wissen
Bei medizinischer Notwendigkeit übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Kosten in der Regel.
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