Besondere Zusammensetzung der Mundflora bei Adipositas
Noch hat die Wissenschaft die komplexe Interaktion zwischen der Vielzahl an Bakterienarten, die neben verschiedenen Viren- und Pilzarten die menschliche Mundhöhle besiedeln und mit diesen zusammen die orale Mundflora (auch orales Mikrobiom genannt) ausmachen, und den systemischen Stoffwechselprozessen (dem Metabolismus) des Menschen bei Weitem nicht vollständig entschlüsselt. Erst nach und nach vermag die Forschung, die Augen für die komplizierten Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen den metabolischen Vorgängen im menschlichen Organismus und dem Stoffwechsel seiner bakteriellen Mitbewohner zu öffnen. Das ist umso aufschlussreicher, als sich Veränderungen lokaler Mikrobiome im Körper oft mit Erkrankungen in Zusammenhang bringen lassen. Das gilt nicht zuletzt auch für das Mikrobiom in der Mundhöhle.
Vermehrte Produktion ungünstiger Stoffwechselprodukte
Eine aktuelle Studie hat jetzt nachgewiesen, dass die Mundflora bei stark übergewichtigen bzw. adipösen Menschen im Vergleich zu der normalgewichtiger Personen eine veränderte Zusammensetzung hat. Dies hat die Auswertung der Speichelproben von 628 Erwachsenen gezeigt, darunter 97 stark übergewichtige Studienteilnehmer und Studienteilnehmerinnen. Verglichen wurden Personen mit ähnlichem Lebensstil und Zustand der Mundgesundheit sowie derselben Altersgruppe. Tatsächlich weist das Mikrobiom stark übergewichtiger Menschen einige Besonderheiten auf. Neben Bakterien, die Entzündungen verursachen oder begünstigen können, fanden sich auch laktatproduzierende Mikroben. Das Auftreten von Laktat gilt als Anzeichen für einen veränderten Stoffwechsel und steht im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für eine Typ-2-Diabetes. Darüber hinaus konnten bei den adipösen Probanden und Probandinnen insgesamt 94 Stoffwechselprozesse des Mund-Mikrobioms festgestellt werden, die in dieser Form nicht bei Normalgewichtigen vorkommen. Generell lässt sich sagen, dass bei einem Vorliegen von Adipositas die Mikroben in der Mundhöhle in einem deutlich höheren Maß Zucker sowie Proteine verstoffwechseln, die sich ungünstig auf den menschlichen Metabolismus auswirken, gleichzeitig aber weniger Nährstoffe freisetzen, die dem Körper zugutekommen. Außerdem führt das veränderte orale Mikrobiom in erhöhtem Maße zu einem Auftreten von Stoffwechselprodukten, die an der Appetitregulation beteiligt sind.
Unklar bleibt vorerst noch, ob diese spezifischen Veränderungen der Mundflora eine Adipositas beim Menschen auslösen oder es nicht vielmehr die Übergewichtigkeit ist, die die typischen mikrobiellen Veränderungen in der Mundhöhle verursacht. Somit besteht noch viel Aufklärungsbedarf und bleiben spannende Fragestellungen für weiterführende Studien.
Das Mikrobiom in der menschlichen Mundhöhle
Die Mundflora in der Mundhöhle, auch orales Mikrobiom genannt, ist ein äußerst komplexes und das nach dem Darm-Mikrobiom zweitgrößte mikrobielle Ökosystem des Menschen. Es sind gleich mehrere hundert Bakterienarten, die auf den Zähnen, den Schleimhäuten und der Zunge siedeln. Sie stehen in einem engen Austausch mit dem gesamten Organismus des Menschen. Veränderungen des oralen Mikrobioms können nicht nur auf lokale Erkrankungen in einzelnen Körperregionen, sondern auch auf sogenannte systemische Erkrankungen des Organismus wie zum Beispiel Diabetes hindeuten.
Mundflora bei Adipositas
Messbare spezifische Signatur
Zur Studie über die spezifischen Veränderungen der menschlichen Mundflora von stark übergewichtigen (adipösen) Menschen mit dem Titel „Integrative multi-omics Analysis reveals oral microbiome-metabolome signatures of obesity“ gelangen Sie über den nachfolgenden Link.