Gehende, hüpfende und springende Bewegungen
Pilze und Bakterien im Mund können sich zu einem Superorganismus zusammensetzen. Das hat ein US-amerikanisches Forscherteam der Universität von Pennsylvania aktuell herausgefunden. Der vielzellige Organismus klebt außerordentlich gut an den Zahnoberflächen und ist besonders widerstandsfähig gegen antimikrobielle Mittel. Diese Eigenschaften führen dazu, dass er im Vergleich zu anderen Krankheitserregern im Mund deutlich öfter Karieserkrankungen der Zähne hervorruft.
Der Superorganismus wurde im Speichel von Kleinkindern mit Karies im fortgeschrittenen Stadium entdeckt und untersucht. Von seiner Resistenz gegen antimikrobielle Mittel abgesehen ist es vor allem der Umstand, dass der Organismus unter dem Mikroskop auch gehende, hüpfende und springende Bewegungen zeigt, der einen das Fürchten lehren kann. Es konnte gemessen werden, dass der Verbund aus Bakterien und Pilzen mehr als 100 Mikrometer weit und damit um das 200-Fache der eigenen Körperlänge zu springen vermag. Das ist um ein Vielfaches mehr als zum Beispiel die Sprungleistung von Laubfröschen, die um das 50-Fache ihrer Körperlänge nach vorne springen können. Und auch in Sachen Wachstum weist diese unheimliche Erscheinung geradezu „Superkräfte“ auf. So ist der Organismus in seiner ersten Wachstumsphase dazu in der Lage, sich in rasanter Geschwindigkeit über die Zahnoberflächen zu verbreiten. Der Verbund aus Keimen und Hefen weist damit eine Vielzahl von überraschenden Fähigkeiten auf, die für den Organismus insgesamt sehr vorteilhaft sind und die der einzelnen Krankheitserreger alleine weit übertreffen. Damit scheint sich die alte Spruchweisheit zu bewahrheiten, dass man im Verbund oftmals stärker ist.
Klebstoffähnliche Polymere bilden Schutzschicht
Zwar sind der Zahnmedizin Biofilme oder Beläge, auch Plaques genannt, die an den Zahnoberflächen haften und Karies hervorrufen, schon seit Langem bekannt. Eine solche Verflechtung von Bakterien und Pilzen, die quasi einen neuen Organismus entstehen lässt, wurde bisher aber nicht beobachtet. Die Forscher konnten nachweisen, dass sie aus Anhäufungen (Clustern) von Bakterien der Art Streptococcus mutans bestehen, die in ein Netz aus Candida-albicans-Pilzen eingewebt scheinen und darüber hinaus von einer schützenden und klebstoffähnlichen Polymerschicht umgeben sind. Diese besondere Struktur und die sie umschließende Schutzschicht machen es außerordentlich schwer, dem Superorganismus effektiv zu Leibe zu rücken.
So schützen Sie Ihre Zähne – auch zu Halloween
Sie wollen Ihre Zähne unbedingt vor solchen ekligen Schleimmonstern aus Bakterien und Pilzen schützen? Keine Sorge, das ist möglich – eine sorgfältige und regelmäßige Zahn- und Mundpflege vorausgesetzt. Die Zahnmedizin empfiehlt, sich zwei- bis dreimal täglich gründlich etwa drei Minuten lang die Zähne rundum sauber zu putzen – das Team der Zahnarztpraxis Ihres Vertrauens erklärt Ihnen gern die richtige Technik. Zudem darf die tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume und auch die Reinigung der Zunge nicht vergessen werden. Denken Sie auch daran, im Rahmen der gesetzlich vorgesehen Zahnvorsorge alle Kontrolluntersuchungen in der Zahnarztpraxis gewissenhaft wahrzunehmen. Vorbeugung ist also „die beste Medizin“ und verhindert, dass sich ein solcher Organismus überhaupt bilden kann. Auch eine zahnfreundliche, das heißt vor allem zuckerarme Ernährung ist wichtig. Denn Zucker ist der Nährstoff schlechthin für die Bakterien und Pilze in Ihrem Mund.
Wenn Sie und ihre Kinder die beim Halloween-Umzug erhaschten Süßigkeiten ohne Reue genießen möchten, dann halten Sie am besten ein wenig Maß und verputzen die süßen Köstlichkeiten besser in einem Rutsch, als den ganzen Tag lang immer wieder zu naschen. Putzen Sie sich nach dem Naschen jeweils gründlich die Zähne und verzichten Sie möglichst auf mit Zucker oder Honig gesüßte Getränke. Dann stehen die Chancen gut, Halloween ganz ohne „Zahngrauen“ zu überstehen.
Superorganismus kann Karies verursachen
Verbund aus Bakterien und Pilzen mit unheimlichen Eigenschaften
Die US-amerikanische Studie mit dem Titel „Interkingdom assemblages in human saliva display group-level surface mobility and disease-promoting emergent functions“ sowie einen zusammenfassenden Bericht zur Studie können Sie unter den nachfolgenden Links einsehen.