Verzerrte Wahrnehmung der eigenen Zähne
Eigentlich hat kaum jemand so strahlend weiße Zähne, mit denen sich die meisten Stars und Influencer aus Film, Fernsehen und Social Media präsentieren – es handelt sich beim Schneeweiß der Zähne Prominenter auch häufig nicht um die natürliche Zahnfarbe. Diese fällt bei jedem Menschen unterschiedlich – manchmal ein wenig heller, manchmal ein wenig dunkler – aus. Und auch makellos gerade Zähne sind von Natur aus eher selten. Kinder und Jugendliche sind jedoch oft sehr unsicher, was ihr Aussehen betrifft. Ihr Vertrauen in die eigene Attraktivität kann durch die digitale und häufig geschönte Selbstdarstellung von In- und Dentfluencern beeinträchtigt werden – und insbesondere auch die Wahrnehmung der eigenen Zähne verzerren. Dies hat eine aktuelle Studie gezeigt, die ein Forscherteam der neuseeländischen Universität von Otago durchgeführt hat. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Health Marketing Quarterly“ veröffentlicht. Im Rahmen der Studie wurden insgesamt 502 Eltern-Kind-Paare befragt, um herauszufinden, wie sehr das beinahe ausnahmslose Erscheinen perfekt gestylter, körperlich attraktiver Menschen mit scheinbar makellosen Zähnen in den Social Media und der digitalen Werbung das Vertrauen in die Attraktivität der eigenen Zähne beeinträchtigen kann.
Vor allem aktive Social-Media-Nutzer betroffen
Die Auswertung der Befragung bestätigte den Zusammenhang zwischen dem häufigen Konsum idealisierter Darstellungen körperlicher Attraktivität – auch der von Zähnen und des menschlichen Lächelns – auf Social-Media-Plattformen und einem fehlenden Selbstvertrauen bzw. der Annahme eigener körperlicher Unzulänglichkeit im Hinblick auf die eigenen Zähne, der bei vielen jungen Social-Media-Usern zu beobachten war. Besonders betroffen waren aktive Nutzer von Social Media, die von sich selber angaben, nicht nur häufig Likes zu vergeben, zu kommentieren und mit Freunden zu kommunizieren, sondern auch selbst Bilder zu posten und sogar Storys und Videos zu erstellen. Bei Kindern und Jugendlichen mit eher passivem Social-Media-Verhalten, die sich mit Durchscrollen, Durchklicken und Beobachten ohne ein Posten eigener Beiträge begnügen, war dieser Effekt deutlich geringer.
Empfehlungen der Studienautoren
Die Ergebnisse der Befragung machen deutlich, dass Social Media einen großen Einfluss darauf haben, wie Kinder und Jugendliche ihre eigene Attraktivität und Gesundheit und damit auch den Grad an Akzeptanz und Wertschätzung empfinden, den sie in ihren Augen durch ihr soziales Umfeld erfahren. Schämt sich ein junger Mensch für seine Zähne, fühlt er sich weniger attraktiv und akzeptiert. Die Studienautoren weisen daher nachdrücklich darauf hin, dass die Nutzung sozialer Medien reale Konsequenzen für Kinder und Jugendliche haben kann, und empfehlen zum Schutz Minderjähriger allen digitalen Plattformen und Social-Media-Akteuren, in ihren Marketing-Kampagnen weniger auf eine idealisierte, sondern auf eine eher realistische Darstellung von gesunden und funktionsfähigen Zähnen zu setzen und es zu vermeiden, jungen Social-Media-Nutzern gezielt Inhalte zu ästhetischer Zahnmedizin oder Influencer-Inszenierungen eines perfekten Lächelns algorithmisch verstärkt anzuzeigen.
Zweifel am eigenen Lächeln
Social Media können positive Selbstwahrnehmung beeinträchtigen
Einen ausführlichen Bericht zur Studie mit dem Titel „Dental self-confidence in digital health marketing systems: Adolescent well-being and social media use“ finden Sie auf den Seiten der Universität von Otago.
Den vollständigen Wortlaut der Studie können Sie unter nachfolgendem Link nachlesen.