Forschung

Schlafmangel schadet dem Zahnfleisch

Schlafmangel kann eine Parodontitis verstärken. Forschende haben herausgefunden, dass Schlafmangel eine erhöhte Aktivität bestimmter Schmerzneuronen im Gesicht hervorruft. Die Folge: Entzündungsbotenstoffe werden freigesetzt und führen zu einer Immunreaktion im Zahnfleisch – fatal bei einer schon bestehenden parodontalen Erkrankung.
Von Öffentlichkeitsarbeit (sk)
Erstellt am 05.08.2025
Quelle: pnas.org | scinexx.de
Eine junge blonde Frau liegt auf der Seite in ihrem Bett und kann nicht schlafen, ein Wecker steht im Vordergrund. © nenetus – stock.adobe.com

Ständiger Schlafmangel erhöht Risiko für ernsthafte Erkrankungen

Jeder hat schon einmal Stunden über Stunden oder schlimmstenfalls die ganze Nacht über im Bett gelegen, ohne einschlafen zu können. Auch warme Nächte, wie sie im Sommer vorkommen, führen oftmals dazu, dass man nicht ein- oder richtig durchschlafen kann. Viele Menschen leiden allerdings unter chronischem Schlafmangel. Etwa ein Drittel aller Erwachsenen auf der ganzen Welt sind davon betroffen. Leider ist ständiger Schlafmangel auf Dauer sehr gefährlich. Bei einer Schlafdauer, die regelmäßig unter fünf Stunden liegt, erhöht sich das Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln oder an Diabetes, einer Demenz oder sogar an Krebs zu erkranken, um 30 bis 40 Prozent.

Aber das ist noch nicht alles: Schlafmangel sorgt dafür, dass chronische Entzündungen im Körper sich verschlimmern. Das gilt auch für Parodontitis, eine Entzündung des Zahnhalteapparats, die aus einer unbehandelten Zahnfleischentzündung entstehen und zu Zahnverlust führen kann. Ein chinesisches Forscherteam der Tongji-Universität in Shanghai hat jetzt die Mechanismen und Prozesse im Organismus aufgedeckt, die dieser unheilvollen Auswirkung von Schlafmangel zugrunde liegen. Die Wissenschaftler sahen sich dazu Gesundheitsdaten von rund 7.000 Menschen, die ärztlich untersucht worden waren, ganz genau an. Es zeigte sich, dass von den Personen, die es nur auf rund vier Stunden Schlaf pro Nacht brachten, zirka jeder Fünfte an einer schweren Parodontitis erkrankt war – und damit weit mehr Menschen als in der Gruppe der untersuchten Patienten, die ausreichend Schlaf bekamen.

Parodontitis über neuronale Steuerung des Immunsystems verstärkt

Tests an Mäusen brachten anschließend ans Licht, wie Schlaflosigkeit und Parodontitis genau zusammenhängen. Die Forscher konnten nachweisen, dass die Neuronen (Nervenzellen) des Zahnfleischs mit den sogenannten TRPV1-Neuronen des Trigeminusnervs in Verbindung stehen. Diese melden Schmerz- und Temperaturempfindungen, die im Bereich des Gesichts auftreten, an das Gehirn. Bei Schlafmangel werden diese Neuronen besonders aktiv und sorgen dafür, dass Neuropeptide ausgeschüttet werden, die die Blutgefäße erweitern und durchlässiger machen. Über die Blutgefäße können nun vermehrt Immunzellen ins Zahnfleischgewebe vorstoßen und dafür sorgen, dass in bereits entzündetem Gewebe eine noch heftigere Entzündung entsteht.

Trotz dieser alarmierenden Forschungsergebnisse gibt es einen Hoffnungsschimmer: Die chinesischen Wissenschaftler konnten in ihrem Versuch mit Mäusen ebenfalls nachweisen, dass ein nächtliches Ausschalten der TRPV1-Neuronen ebenso wie eine gezielte Blockade eines bestimmten Rezeptors auf den Blutgefäßen die von ihnen aufgedeckten Mechanismen und damit eine Verschlechterung von Entzündungen wirksam aufhalten können.

   

Schlaflosigkeit und Parodontitis

Zugrunde liegende Mechanismen aufgedeckt

Die Studie mit dem Titel „Sleep deficiency exacerbates periodontal inflammation via trigeminal TRPV1 neurons“ können Sie online unter dem nachfolgenden Link nachlesen.

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