Thromboinflammation kann ursächlich sein
Europäische Wissenschaftler haben im Rahmen einer Studie, die von der „American Heart Association“ veröffentlicht wurde, mehr als 1.000 Personen im Alter von 18 bis 49 Jahren auf ihr Schlaganfallrisiko hin untersucht. Zwar sind jüngere Erwachsene nur zu etwa sechs Prozent – das jedoch mit steigender Tendenz – von Schlaganfällen betroffen, während die Altersgruppe der über 75-Jährigen mehr als die Hälfte aller Schlaganfallpatienten stellt. Bei den unter 50-jährigen Studienteilnehmenden wurde jedoch ein ganz besonderer Faktor nachgewiesen, der Schlaganfälle begünstigen kann. Offenbar erhöhen akute Infektionen in einem Zeitraum von sieben Tagen das Schlaganfallrisiko auch in jüngeren Jahren nicht unerheblich.
Denn beim Vergleich von Erwachsenen der untersuchten Altersgruppe, die an einer akuten Infektion litten, mit denjenigen Studienteilnehmenden, die nicht erkrankt waren, zeigte sich das Schlaganfallrisiko um fast drei Prozent erhöht. Dies war jedoch nur etwa sieben Tage lang der Fall. Ab dem achten Tag war im Zusammenhang mit einer Infektion kein erhöhtes Risiko mehr festzustellen.
Bei ihrer Suche nach den Gründen stießen die Studienautoren auf einen entscheidenden Zusammenhang. Sie gehen von einer speziellen Interaktion von Immunsystem und Blutgerinnung als Ursache aus, die sich im Rahmen einer frischen Infektion abspielt. Krankheitserreger lösen den Prozess der sogenannten Thromboinflammation aus, bei der als Immunantwort des Körpers aufgrund der Entzündungsreaktion auch vermehrt Blutgerinnungsstoffe in die Blutbahn gelangen. Das kann zu Verklumpungen des Bluts führen, was wiederum die Gefahr für Blutgerinnsel in den Gefäßen, die das Gehirn mit Blut versorgen, erhöht. Bei der Gruppe der frisch Erkrankten wurde dementsprechend ein signifikanter Anstieg der Werte wesentlicher Gerinnungsfaktoren im Blut nachgewiesen. Möglicherweise reagieren Menschen, die bei einer Infektion zeitnah einen Schlaganfall erleiden, auch verstärkt auf Entzündungsreize.
Ein weiteres überraschendes Ergebnis der Studie war, dass Atemwegsinfekte das Schlaganfallrisiko eher weniger beeinflussen. Es sind vielmehr Zahninfekte wie Karies und Parodontitis oder Infektionen von Magen, Darm und Leber sowie Blasen- und Nierenbeckenentzündungen, Infektionen von Haut, Augen oder Ohren, aber auch von Gelenken und Weichteilen, die das Risiko, in einem engen zeitlichen Zusammenhang mit der Erkrankung einen Schlaganfall zu erleiden, messbar erhöhen. Vor allem bakterielle Infektionen spielen diesbezüglich eine unheilvolle Rolle.
Eine gute Mundhygiene ist wichtig!
Eine gute Mundhygiene, zu der es gehört, sich mindestens zweimal am Tag drei Minuten lang gründlich die Zähne zu putzen, die Zahnzwischenräume täglich mit Zahnseide oder Interdentalbürsten sauber zu halten und auch die Zunge einmal am Tag zu reinigen, trägt wesentlich dazu bei, eine gesunde Mundflora zu erhalten, in der potenzielle Krankheitserreger nicht die Überhand gewinnen. Auch eine professionelle Zahnreinigung in der Zahnarztpraxis als Ergänzung zur häuslichen Zahnpflege ist eine wirksame Maßnahme, mit der sich das Auftreten schädlicher Mikroben in der Mundhöhle eindämmen lässt. So beugen Sie Infektionen von Zähnen und Zahnfleisch vor und reduzieren maßgeblich Ihr Risiko, im Zusammenhang mit einer solchen Infektion möglicherweise einen Schlaganfall zu erleiden.
Wie die moderne Zahnmedizin weiß, können Krankheitserreger aus der Mundhöhle über die Blutbahn auch an andere Stellen des Körpers gelangen und auf diese Weise generell Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkte und Schlaganfälle sowie lebensbedrohliche Verläufe von Infektionskrankheiten begünstigen, eine erfolgreiche medikamentöse Behandlung von Diabetes 2 erschweren sowie das Risiko für eine Frühgeburt oder für eine Infektion künstlicher Herzklappen und Gelenke erhöhen.
Schlaganfall bei akuter Infektion
Erhöhtes Risiko auch bei Zahninfekten
Zur Studie mit dem Titel „Preceding Infections and Coagulation Biomarkers in Early-Onset Cryptogenic Ischemic Stroke“ gelangen Sie online unter nachfolgendem Link.